Neujahr

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Nach dem Roman von Juli Zeh

Henning ist auf der Flucht vor sich selbst. Er quält sich am Neujahrsmorgen auf Lanzarote mit dem Fahrrad einen Berg hoch. Er kämpft mit sich, dem Gegenwind, dem viel zu schweren Rad, die ungeeignete Kleidung scheuert, er hat Durst und ist unterzuckert. Und doch treiben ihn die Gedanken an seine Familie immer weiter bergaufwärts. Die Ehe mit seiner Frau funktioniert eigentlich bestens. Beide können es sich leisten, im Beruf kürzer zu treten und kümmern sich gleichberechtigt um die zwei Kinder. Gleichzeitig befindet sich Henning in einem Zustand permanenter Überforderung. Er leidet unter Angstzuständen und Panikattacken, die er verheimlicht und die ihn zu ersticken drohen.

Sein Alltag wird zum nackten Überlebenskampf, und im Stakkato der Pedaltritte bricht die Wut aus ihm heraus: Scheiß-Welt, Scheiß-Kinder, Scheiß-Familie. Mit dem Zusammenbruch erreicht er den Gipfel und stürzt in die Erinnerung: Er war schon einmal hier, als Kind, mit seinen Eltern und seiner Schwester Luna. Ein schreckliches Geheimnis umweht diesen Ort, ein lange Zeit verdrängtes Erlebnis bricht über Henning herein.

Die bürgerliche Mitte im Zentrum einer Erzählung über die Überforderung derjenigen, die eigentlich alles richtig machen. Der Abgrund lauert im Alltag, der sie im Griff hat, ohne Aussicht auf Erlösung. Ein Alltag, in dem die aufgeklärten, modernen Eltern den beruflichen und familiären Anforderungen gerecht werden wollen und sich selbst und den Kindern gerade dadurch abhandenkommen. Ein märchenartiger Thriller über ein lange verschüttetes Kindheitserlebnis.

 

Ort: 
TaM
Juli Zeh auf der Frankfurter Buchmesse 2018. Foto: rawpic@protonmail.com